Mario Tamponi Zurück
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Der Tod Lebenswichtig ist, unsere Zukunft nicht zu vergessen Der Tod ist nicht die vertrocknete Mumie in Sarkophagen aus Museen wie in Turin oder Berlin; kein Skelett von Vorfahren zur Erforschung, keine Knochensammlung von anonymen Ahnen oder wundertätigen Heiligen, kein violetter Kadaver mit introvertiertem Blick, gebettet auf kaltem Marmor in einem düsteren Zimmer; keine aufgebahrte Leiche im dunklen Anzug, mit schrumpfenden Flügeln dem Flug zu den Wolken ergeben – die Galaweste aus schillerndem Satin, die Schuhe in glänzendem Schwarz. Kein durch Autopsie gequälter Körper, beraubt der Organe und des einst denkenden Gehirns, mit der aus Gazen und Stützen gefüllten Leere. Kein Objekt ohne Leben ist der Tod, kein Objekt mit Leben ist der Mensch. Schon immer mit dem Leben verknüpft, macht der Tod es wahrer, indem er ihm die Grenzen nennt, ihm sagt, dass es nichts besitzt. Das Leben, das den Tod enthält, ist Geheimnis der Wüste, die ich dank der Begegnung mit dem anderen überwinde, in der Oase, die Raum Gottes ist; es ist das Wunder, das mich mitten in den nahen Kosmos und die fernen Sterne stellt, von dem brennenden Wunsch erfüllt, die Seele und unzählige Farben zu verbreiten. In der Symbiose von Leben und Tod bin ich zum Sein als Sein geboren, nicht zum Haben als Haben, ohne Abhängigkeit von meinen Schöpfungen, als wären sie Götter. Wenn der Tod sich vom Leben zu lösen und alleine die Schwelle zu überschreiten scheint, ist er Triumph des Seins, entgegen meiner Illusion, etwas zu haben. Der Tod, der Trennung vortäuscht, ist das Leben, das im Sein die Grenzen überwindet. Erspüren wir es, versöhnt mit dem Sein, nachdem wir es mehrfach verrieten mit dem Dünkel der Überlegenheit oder dem Verlangen nach künftiger Belohnung angeblicher Tugenden! Dieser Übergang gestattet keine Fata Morgana, sinnlos, sich mit Marmorgräbern und offiziellen Lobreden zu schmücken, um in die Geschichte einzugehen. Lächerlich, den Abschied als Event zu gestalten, mit Salongeschwätz oder leeren, weltlichen Riten ohne Poesie, mit Grabinschriften, dem Vergessen geweiht. Kehren wir zu Adams Blöße zurück, aus der wir stammen, das ist unsere Größe, das Privileg aller. Der Tod ist das Tor zum gelobten Land. Nur noch ein Mal öffnet es sich, um uns dort hinzuführen, wo das Schöne herrscht wie der Gleitflug der Möwen hoch über dem Atmen des Meers nach einem Windsturm. Mario Tamponi